feed2list
returnIndex  |  returnsearch list bookmark
Search the entire list and browse in search list
     search hits: 438
website Internettagebuch als RSS-Feed
text Die Listen-Lawine (Eike, 66. Crew)
Fri, 21 Oct 2011 18:17:00 +0200

Die Listen-Lawine (Eike, 66. Crew)

Es gibt Tage, an denen sich auch die fleißigsten Attachés nicht so recht auf die Seminarinhalte konzentrieren können. Ein solcher Tag ist die Veröffentlichung der "Vakanzenliste".

In grauer Vorzeit, als das Zusammenleben der Menschen noch planlos und unorganisiert verlief, kam ein schlauer Zeitgenosse auf die Idee, wie diesem Chaos Einhalt zu gebieten sei. Er entwickelte etwas, das es erlaubte, Dinge zu ordnen, sei es nach Dringlichkeit, nach Vorliebe oder Aufwand. Es war eine geniale Erfindung, die alles bis dato Dagewesene veränderte, und ihr Erfinder gab ihr die Bezeichnung "Liste".

Noch heute bedient der Mensch sich solcher Listen, um Gedanken zu ordnen oder Ideen zu skizzieren, kurz gesagt, um Entscheidungen auf einer gut durchdachten Grundlage zu fällen.

Wenn Listen Chaos schaffen

Es wird jedoch auch immer wieder von Fällen berichtet, in denen Listen Ihrer Bestimmung nicht gerecht werden konnten und gerade das verursacht haben, was sie doch eigentlich vermeiden sollten: Chaos! Ein solcher Fall ereignete sich auch im Juli 2011 in der Akademie Auswärtiger Dienst in Tegel.

Ein Attaché entdeckte eines Morgens die berühmte sogenannte "Vakanzenliste" im Intranet und damit begann eine Lawine unaufhaltsam alles mit sich reißend gen Tal zu rollen. Die Nachricht hatte sich innerhalb weniger Augenblicke innerhalb der Crew verbreitet (auch Twitter hätte dies kaum schneller bewerkstelligen können) und das Seminar zum Redenschreiben, das an diesem Tag eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, war plötzlich in den Hintergrund gerückt.

Die meisten Bediensteten des Auswärtigen Amts erwartet alle drei bis vier Jahre eine neue Arbeitsstelle – meistens verbunden mit einem Umzug ins Ausland oder einer Rückkehr nach Berlin. Im Spätsommer jeden Jahres gibt das Personalreferat des Auswärtigen Amts eine Liste mit den im nächsten Sommer freiwerdenden Posten im Auswärtigen Amt und an den deutschen Auslandsvertretungen bekannt. Aus dieser Vakanzenliste wählt dann jeder Mitarbeiter, der zur Versetzung ansteht, seine "Wunschposten" und reicht diese beim Personalreferat ein. Nach mehrmonatiger Abstimmung der Neubesetzungen, die auch die familiäre und gesundheitliche Situation der Mitarbeiter berücksichtigt, wird der neue Arbeitsplatz etwa ein halbes Jahr später bekannt gegeben. Zum so genannten "einheitlichen Versetzungstermin" im Darauffolgenden Sommer wechseln dann circa 2000 der insgesamt über 6000 Mitarbeiter weltweit den Arbeitsplatz. Auch die Attachés – die Anwärter im höheren Dienst – bewerben sich während des Jahres ihrer Ausbildung "auf die Liste" und fiebern dann dem ersten In- oder Auslandsposten entgegen.


Ein Gemurmel, aus dem manches Mal Satzfetzen wie "Mexiko gleich dreimal" oder "Rio ist gar nicht dabei!" die ansonsten eher träge Stille des Raumes durchdrangen, waren Boten einer zumindest für uns neuen Zeit; einer Zeit, in der wir uns aufmachten unsere Zukunft zu planen (oder zumindest die kommenden drei Jahre).

A, B, C oder Krisenposten?

Die "Liste" verhieß hierbei eine ungewöhnliche Zukunft in einer scheinbar anderen Welt: Lag in dieser Vakanzenparallelwelt doch Bogotá gleich neben Belgrad, New York neben Nikosia und Skopje und Mexiko-Stadt fanden sich in derselben mysteriösen Kategorie B wieder. So mancher ertappte sich dabei, wie er Traumposten liebevoll mit dem Leuchtstift hervorhob, während er ungeliebte Posten mit Missachtung strafte oder im Stillen bei sich dachte: "Da soll mal schön jemand anderes hingehen, ich ganz bestimmt nicht!"

Im verregneten deutschen Sommer flüchtete sich der ein oder andere in Gedanken unter argentinische Sonne, fuhr sich  lässig durchs Haar, den Geschmack von Matetee fast auf der Zunge spürend, während der Nachbar an all die spannenden Begegnungen dachte, die er wohl an der Ständigen Vertretung in Brüssel machen würde und daran, dass sein Französisch bis dahin noch irgendwie - und zwar möglichst bald - einen Quantensprung hinlegen möge.

Der Arbeitsplatz- die Welt © picture-alliance/dpa

Wieder ein anderer phantasierte über die Abenteuer, die wohl in Afrika auf ihn warten würden, wohl wissend, dass er das seiner Frau und dem Kleinen unmöglich zumuten konnte; während die ledigen Kollegen unter uns ein Jahr in Kabul oder Bagdad auf sich zukommen sahen (Man ist ja nicht gebunden, da ist doch ein Krisenposten kein Problem, oder?).

Alles, wirklich alles schien möglich und dabei noch zum Greifen nah. Mit der Zeit wusste man, wer "Chinese" war und wer "Latino", wer "Brüsseler" und wer ein "Krisenposten". Regionale Gruppen bildeten sich, die abzuschätzen versuchten, wer für welchen Posten Konkurrenz sein könnte und ob man strategisch geschickt ungeliebte Posten vermeiden könne.

Urheberlose Eilmeldungen, wonach man sich auf einige Posten gar nicht zu bewerben brauche, da diese bereits vergeben seien, auch wenn diese „Informationen" eigentlich jeder Grundlage entbehrten, verbreiteten sie sich schneller als Läuse in einer Kindertagesstätte.

Das Chaos, begleitet von einem zuvor ungekannten „Postenrausch", war da. Die Lawine hatte 40 Jungdiplomaten auf der Halbinsel Reiherwerder mitten im Hochsommer unter sich begraben.

Posten-Shopping im Intranet

Doch natürlich ließ auch die Ernüchterung, die bekanntlich auf jeden Rausch folgt, nicht lange auf sich warten, denn in so manch stillem Augenblick beschlich einige – zumindest mich - doch das Gespenst des Zweifels: Möchte ich wirklich drei Jahre meines Lebens in Kinshasa verbringen? Bin ich bereit für La Paz? Ho-Chi-Minh-Stadt, wirklich? Jeder von uns hat schon einmal im Ausland gelebt, kennt sich in anderen Kulturen aus, aber traue ich mir das alles zu? Und schließlich gibt es auch in Berlin in der Zentrale sehr interessante Tätigkeiten - und in drei Jahren kann man dann immer noch die Welt entdecken.

Je näher der unvermeidbare Tag der Abgabe unserer Liste kam, desto mehr schien sich das angesprochene Gespenst des Zweifels unter uns wohl zu fühlen und sorgte für, nun, nennen wir es mal Aktivität: "Latinos" wurden zu "Brüsselern", "Chinesen" zu "Berlinern" und so mancher, der daran zuvor nie einen Gedanken verschwendet hatte, fand sich plötzlich beim "Balkan" wieder. Vielleicht war es so etwas wie die Angst vor der eigenen Courage. Oder der Versuch rational nach festen Kriterien die individuell richtige Liste zu "designen".

Und nun? Die Karawane ist weiter gezogen, die Liste auf elektronischem Wege abgegeben, die Lawinenopfer konnten lebend und wohlbehalten geborgen werden und befinden sich auf dem Wege der Besserung, ohne dass bleibende Schäden zum jetzigen Zeitpunkt entdeckt worden wären.

Das Crewboot ist wieder in ruhiges Fahrwasser zurückgekehrt, zumindest bis beim ersten der 40 Attachés eine Mail, in der um Rückruf zwecks Besprechung der von der Personalplanung getroffenen Versetzungsentscheidung gebeten wird, ihren Weg in den Dienstmailposteingang findet. Oder das Personalreferat gleich auf dem Handy anruft.

Dann, passenderweise im Winter, wird es wohl wieder Schneebruch geben, aus dem sich ja bekanntlich gewaltige Lawinen entwickeln können, die des Öfteren auch wartende Jungdiplomaten unter sich begraben sollen. Aber das ist eine Geschichte, die zu einem anderen Zeitpunkt erzählt werden soll.

Noch ein Hinweis in eigener Sache

Sollte sich in der Personalplanung der Eindruck aufgedrängt haben, dass einige von uns Attachés wirklich zu allem bereit sind und jede Gelegenheit nutzen, um die Entscheider von ihrem Traumposten zu überzeugen, so muss ich dies als Gerücht entschieden zurückweisen.

Aber, sehr verehrte Damen und Herren Personalplaner: Lassen Sie mich noch kurz darauf hinweisen, dass ich wirklich der beste Kandidat für den Posten an der Botschaft in Buenos Aires bin und Sie Ihre Entscheidung für mich wirklich nicht bereuen werden!

Stand 21.10.2011



Die Zentrale- eine ungeahnte Herausforderung (Johanna, KSA '11)

Wieder mal ein Lebenszeichen von den KSA 2011! Wir sind noch nicht in Paragraphen erstickt und kamen vor Kurzem erholt aus drei Wochen Weihnachtsurlaub zurück. Bei unserer Rückkehr aus New York, Bayern, oder einfach "nur" Nordrhein-Westfalen erwartete uns eine Freude: unsere Versetzungserlasse ins Inlandspraktikum waren da! Schon Mitte Dezember wurden uns "unsere" Ausbildungsreferate verraten, doch jetzt hielten wir auch den offiziellen Erlass in den Händen. Nach den Zwischenprüfungen werden wir am 20. Februar endlich den ersten Praxisteil unserer Ausbildung beginnen und jeden Tag den weiten Weg von der Akademie am Tegeler See zur Zentrale des Auswärtigen Amtes in Berlin-Mitte bestreiten. Nicht zu vergessen, mit Berliner Nahverkehr. Aber das wäre eine Geschichte für sich...

Da war es vielleicht ganz gut, dass wir in der ersten Arbeitswoche dieses Jahres gleich einen dreitägigen IT-Kurs in der Zentrale hatten. So konnten wir den Herausforderungen schon mal ins Gesicht sehen. Mit Computerproblemen hatten die allerdings weit weniger zu tun, als man annehmen könnte. Viel mehr bereitete uns die Logistik so allerlei Grund zum Schämen oder Lachen, je nach Gemüt.

Die Zentrale ist ein riesiges Gebäude. Sie ist verwinkelter als ein Irrgarten, teilweise gibt es Zwischengeschosse, eingezeichnete Treppen entpuppen sich als Fluchtwege und einen Gang kann man wegen der fehlenden Zugangsberechtigung einfach nicht nutzen. Nicht selten wussten wir weder, wie wir an einen Ort gekommen waren, noch wie wir (je!) wieder zurück finden sollen. Das ganze hatte einen positiven Nebeneffekt. Wenn wir einmal die Pause überzogen hatten, konnten wir wenigstens eine gute Ausrede vorweisen...

Auswärtiges Amt: Besucherausweis © picture-alliance/ ZB

Ach, und dann sind da noch die Zugangskarten zum Gebäude! Jeder von uns hat so eine, man braucht sie, um ins Auswärtige Amt zu kommen, und auch zum Passieren einiger Türen im Gebäude. Das Prinzip ist einfach: die Karte an den Kartenleser halten und dann öffnet sich die Tür. Nachdem uns bei der ersten so verschlossenen Tür geholfen wurde, standen wir bald schon recht hilflos vor der nächsten: Das Halten der Zugangskarte gegen das vermeintliche Lesegerät bescherte keinerlei Erfolg. Wieso? Ganz leicht. Jemand öffnete uns die Tür von innen, zog die Augenbrauen hoch und sagte achselzuckend: "Also, eigentlich ist das ja der Lichtschalter…"
Uhh… wieso sehen diese ganzen leuchtenden Punkte sich denn so ähnlich?!

Nuuuun ja. Unsere Vorfreude lassen wir uns von solchen Kleinigkeiten allerdings nicht rauben. Bald fahren wir auf Lehrbesichtigungsfahrt nach Brüssel und Bonn. Falls wir uns dort nicht komplett verlaufen, gibt es dann sicher weitere Neuigkeiten. So wie ich uns kenne, wird die "Herausforderung Zentrale 2.0" nicht lange auf sich warten lassen…!

Stand 03.02.2012


text Auslandspraktikum in Colombo (Laura, RSA '11)
Fri, 27 Jan 2012 04:00:00 +0100

Auslandspraktikum in Colombo (Laura, RSA '11)

Endlich ging es los – der Teil der Ausbildung, den wohl alle aus meinem Kurs sehnlichst herbeigewünscht haben, denn nun werden wir das Leben, das uns im Auswärtigen Dienst erwarten wird, in der Praxis kennenlernen. Nach acht Monaten Theorie hieß es Anfang Dezember 2011: "Auf ins Auslandspraktikum!"

Den ersten Teil des Weges von Frankfurt nach Doha legte ich noch mit einer Kursfreundin zurück, auf dem zweiten Flug von Doha nach Colombo war ich dann allein mit meinen Gedanken, Vorstellungen und Wünschen, die mir so im Kopf rumgeisterten. Allerdings nicht besonders lange, denn schnell fiel ich in einen Halbschlaf. Als ich aufwachte, befanden wir uns schon im Landeanflug auf Sri Lanka – ich sah das Meer glitzern, Palmen am Strand und konnte es noch gar nicht so richtig fassen – war ich doch in Frankfurt bei Nebel und Regen gestartet.

Schon bei Aussteigen wurde allerdings klar – hier herrscht komplett anderes Klima – heiß und tropisch feucht. Am Ausgang des Flughafens erwartete mich schon einer meiner neuen Kollegen, der mich ins Hotel brachte und auch gleich zahlreiche Fragen beantwortete, die man so hat, wenn man gerade in seinem neuen Zuhause auf Zeit angekommen ist. Nachmittags folgten die ersten Wohnungsbesichtigungen und es wurde mir immer bewusster – "hier werde ich die nächsten neun Monate tatsächlich leben".

Dann stand auch schon der erste Tag in der Botschaft an. Ich wurde einmal über das komplette Botschaftsgelände geführt und allen vorgestellt (wobei ich gestehen muss, dass ich wohl die Hälfte der Namen am Abend schon wieder vergessen hatte; mittlerweile kenne ich aber die meisten).

Im Anschluss daran bekam ich eine kurze Einführung in die Aufgaben der Zahlstelle – das Gebiet, in dem ich als erstes eingesetzt wurde, um hautnah den Jahresabschluss mit zu erleben. Dieser ist mittlerweile erfolgreich vollbracht und so tauche ich gerade mit meinem Ausbilder tiefer in das tägliche Geschäft eines Zahlstellenverwalters ein.

­­­­­­­­

Nun kann ich schon auf meine ersten Wochen in Colombo zurückblicken und langsam kehrt auch die innere Ruhe wieder etwas ein.

Die Wohnungssuche ist mittlerweile erfolgreich abgeschlossen, alle Kisten sind wohlbehalten angekommen und ausgepackt und inzwischen weiß ich auch genau, wie ich hierhin und dorthin komme, wo man mal einen leckeren Kaffee trinken kann (nicht immer so leicht in Colombo) und in welchem Laden ich hier welche Alltagsgegenstände erstehen kann.

Denn das war am Anfang oft noch eine Herausforderung – einmal, weil man das von außen gar nicht immer so leicht erkennen kann und auch, weil man im Geschäft auf Nachfrage nicht zwingend auch das präsentiert bekommt, was man haben will. Nicht immer ist dabei klar, ob dies dann an einer sprachlichen oder kulturellen Hürde scheitert.

Auch das Überqueren der Straße klappt mittlerweile ganz gut. Die ersten Male kostet es doch noch etwas Überwindung einfach loszulaufen, obwohl Autos kommen , aber -  sie halten an!

Ebenso gewöhnungsbedürftig waren vor Weihnachten die Auftritte unseres "Botschaftschors" – wann singt man schon mal Weihnachtslieder direkt am Meer, bei 30 Grad und Sandalen an den Füßen? Auch die Dauerbeschallung mit Weihnachtsmusik in allen Einkaufszentren und die reich geschmückten Geschäfte und Restaurants halfen nicht wirklich dabei, weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen.

Man merkt also – besonders der Alltag unterscheidet sich sehr von dem, was man eigentlich gewöhnt ist und wird auch, ab und zu, zu einer kleinen Herausforderung.

Aber es ist ja nicht so, als ob man dafür nicht "entschädigt" würde.

Wenn man dann abends zum Sonnenuntergang am Galle Face Green (der Strandpromenade in Colombo) entlang schlendert, sich an einem der Wagen frische, saftige Mangostreifen kauft und einen phänomenalen Meerblick genießen kann oder man an einem lauen Sommerabend (im Dezember!) in einer Dachterasse in entspannter Atmosphäre einen anspruchsvollen Arbeitstag ausklingen lassen kann oder man nach einem Tag am Strand in einem der zahlreichen Restaurants direkt am Meer den frischen Fang des Tages verspeist, dann weiß man, dass man sich bei der Postenwahl genau richtig entschieden hat.

Stand 27.01.2012


Europa für Einsteiger: Auf Entdeckungsreise in Brüssel (Steffen und Andreas, RSA '11)

Die ersten Monate des Einführungslehrgangs hatten wir gut überstanden. Somit stand unsere erste Dienstreise vor der Tür. Aber eine letzte Hürde galt es noch zu nehmen. Die Ausbildungsleitung überraschte uns mit einem Europa-Seminar. 4 Tage vollgepackt mit allem, was die Währungs- und Wirtschaftsunion zu bieten hat. Für viele von uns war es der erste intensive Kontakt mit dieser komplexen Thematik. Durch die kompetente und teilweise auch humorvolle Art unserer Dozenten wurde es aber zu einer äußerst kurzweiligen Veranstaltung mit vielen Gelegenheiten, sich selbst einzubringen.

Gestärkt, informiert und motiviert ging es, in Begleitung unseres Ausbildungsleiters Herrn Dicken, auf Entdeckungsreise nach Brüssel.

Angekommen in der Hauptstadt des doch etwas anderen Bieres, der Pommes Frites und der sprachlichen Verwirrung, wurden wir sogleich von einem Kollegen der deutschen Botschaft in Empfang genommen und mit dem Bus in unser Hotel verfrachtet. Der erste Tag war geschafft. Doch was sollte uns in den nächsten Tagen noch alles erwarten!? Wir waren gespannt!

Am nächsten Morgen ging es direkt in die deutsche Botschaft Brüssel. Auf der Agenda standen Vorträge, Führungen, Seminare und...Vorträge! Kaum zu glauben, wer sich für uns alles Zeit nahm. Angefangen beim Militärattaché, über Politikreferenten bis hin zu den Mitarbeitern des Protokolls. In ihren Ausführungen erläuterten sie uns ihre Arbeitsweise, ihre Aufgaben und erzählten auch die ein oder andere Anekdote, die nicht immer alltäglich war.

Auf unserem Terminplan standen unter anderem Termine bei bekannten Organisationen wie der EU-Kommission, dem NATO-Hauptquartier und dem Europa-Parlament inklusive Gespräch mit einem Parlamentsabgeordneten. Es gab aber auch Termine bei eher weniger bekannten Organisationen wie etwa dem Hanse-Office (Länderbüro der Freien und Hansestadt Hamburg und Schleswig-Holstein).

Natürlich sollte auch die soziale Interaktion nicht zu kurz kommen. Trotz saftiger Preise wurde das Nachtleben in Brüssel ausgiebig erkundet und zusammen das ein oder andere Bier getrunken. Frei nach dem Motto: "So jung kommen wir nicht mehr zusammen."

Für den letzten Tag unseres Aufenthaltes in Belgien, hatte sich unser Ausbildungsteam etwas besonderes einfallen lassen: einen Abstecher in die Stadt Gent! Eine sehr geschichtsträchtige Stadt vor historischer Kulisse. Nach einer ausführlichen Stadtführung und dem offiziellen Empfang beim Bürgermeister von Gent im beeindruckenden Rathaus stand der Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein zur freien Verfügung. Viele von uns nutzten die Gelegenheit und erkundeten die Grachten während einer Bootsfahrt. Diese Stadt ist ein absoluter Geheimtipp und sei jedem für einen Städtetrip ans Herz gelegt. Am Abend ging es mit dem Bus zurück zum Flughafen. In den späten Abendstunden erreichten wir wieder Berlin und können stolz sagen: "Wir haben Europa überlebt!"

Stand 26.01.2012


Über Gott und die Welt- das Kirchenwochenende (Joachim, 66. Crew)

Ein Kirchenseminar? Am Wochenende? In Brandenburg? Zugegeben, zunächst erklangen die Lobpreisungen eher verhalten, als uns dieser Bestandteil des Ausbildungsprogramms eröffnet wurde. Überraschend viele Anknüpfungspunkte zwischen Diplomatie und Religion sowie herzliche Gastgeber sorgten jedoch für interessante Einblicke rund um Gott und die Welt.

Auf Einladung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Kommissariats der deutschen Bischöfe war die 66. Crew vom 14. bis 15. Oktober 2011 zu Gast im "Haus Chorin", einer Tagungsstätte in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Zisterzienserklosters Chorin. Eingebettet in ein idyllisches Ambiente und ein attraktives Rahmenprogramm erhielten wir interessante Einblicke in die Kirchenarbeit im In- und Ausland.

Auslandsgemeinden als Anlaufstelle für viele deutsche Aussiedler und Expatriaten.

Mit sanfter Bestimmtheit angeleitet von Dr. Faigle (EKD) wurden wir zunächst von Frau Gerdsmeier vom Katholischen Büro Berlin in die rechtshistorische Verfasstheit der beiden großen Amtskirchen eingeführt. Im Anschluss illustrierte Prälat Dr. Felmberg von der EKD die Einbettung der Kirchenarbeit in den politisch-parlamentarischen Raum, unter Anderem am Beispiel eines namibisch-deutschen Gottesdienstes zur Rückgabe von Herero-Gebeinen in der Berliner Charité.

Wieviele Deutsche im Ausland mit kirchlicher Gemeinschaft in Kontakt kommen, legten am Nachmittag gemeinsam Oberkirchenrätin Fecht und Pfarrer Lang dar. Ob in Addis Abeba, Hongkong oder Sydney bilden die Auslandsgemeinden - neben den Goethe-Instituten und den deutschen Schulen - die kulturelle Heimat für viele deutsche Auswanderer und Expatriaten.

"Jenseits von Germany"

Auf reges Interesse stieß anschließend die Darstellung der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit. Aufgrund der besonderen Kombination von Glaubens- und Finanzkraft, so Herr Kuschnerus vom Evangelischen Entwicklungsdienst, sind die Kirchen aktuell nicht aus der Entwicklungszusammenarbeit wegzudenken.

Für das geistige Wohl sorgte dann am späteren Abend Bischof em. Prof. Wolfgang Huber mit einer eindringlichen Ansprache gegen die Beliebigkeit von Werten und Glauben in der globalisierten Welt. Frei nach der Maßgabe Richard von Weizsäckers, wonach "Kirche keine Politik machen, sondern diese lediglich möglich machen solle", rundeten außenpolitische Anmerkungen zur Euro-Krise oder zur Situation der Kopten in Ägypten seinen Impulsvortrag ab. Gestärkt mit Schmalzbroten, Spreewaldgurken und Choriner Bier diskutierten wir dann noch bis tief hinein in die Brandenburger Nacht.

" Zieh weg aus deinem Land in ein Land, das ich dir zeigen werde."

Andacht in der Klosterkapelle © AA

In der Kapelle des alten Klosters verfolgten am frühen Samstagmorgen zahlreiche kälteunempfindliche Attachés die Andacht von Pfarrer Lang. Während dessen Lesung über die alttestamentarische Aufforderung Gottes an Abraham, sein Heimatland zu verlassen, sehnten sicherlich einige himmlische Fügungen im Personalreferat 101 im Hinblick auf die Naherwartung der Versetzungsbescheide herbei ...

Den Rest des Vormittags diskutierten wir in Kleingruppen über die zahlreichen Berührungspunkte zwischen Außenpolitik und Religon und Kirche: von der Rüstungsexportpolitik über Religions- und Menschenrechtsdialog bis hin zur Militärseelsorge. Erfreulich erschien dabei die enge Zusammenarbeit beider Konfessionen, nachdenklich stimmte hingegen das nach wie vor in Teilen schwierige Verhältnis der großen Weltreligionen zueinander.

Wunsch nach Erweiterung des Kirchendialogs um Vertreter anderer Religionen

Der Tagungsabschluss erfolgte dann bei strahlendem Sonnenschein mit einer Führung durch das Kloster Chorin. Die Geschichte des Zisterzienserklosters verdeutlichte wieder einmal das wechselseitige Wirken von Kirche und weltlichen Mächten in den zurückliegenden Jahrhunderten.

Im Lichte dieser Geschichte und angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen manifestierte sich abschließend bei den Attachés der Wunsch, das Kirchenwochenende künftig auch für Vertreter anderer Religionen zu öffnen, insbesondere für Vertreter des Islams in Deutschland.

Abermals herzlichen Dank an die Gastgeber für die freundliche und großzügige Einladung der 66. Crew, inklusive Partner und Familien.

Stand 30.11.2011


Back to Borsig: Der "Bunte Abend" (Laetitia, KSA '11)

Nun leben wir schon beinahe dreieinhalb Monate auf dem Gelände der Akademie und durften vergangenen Donnerstag auch zum ersten Mal DAS Event - den "Bunten Abend" - miterleben. Dieser findet einmal im Jahr (während des kurzen Zeitraumes, in dem keiner der Lehrgänge irgendwo im Auslandspraktikum unterwegs ist) hier in der Akademie statt und ist ein besonderes Ereignis, da die Anwärter aller Laufbahnen plus Dozenten, Ausbildungsleitungen und Verwaltungspersonal dabei sind und somit eine wirklich große Anzahl an Teilnehmern zusammenkommt. Dieses Jahr stand der Abend ganz unter dem Motto "In 180 Minuten um die Welt" oder auch einfach "Back to Borsig!".

Das Gelände um die Villa Borsig- das Gästehaus des Außenministers auf der Halbinsel Reihenwerder am Tegeler See in Berlin, das einst der Industriellenfamilie Borsig gehörte- beherbergt auf seinen 14 Hektar auch die Akademie Auswärtiger Dienst, die Aus- und Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amtes. Hier werden die zukünftigen Diplomaten und bereits an Auslandsvertretungen oder in der Zentrale tätige Mitarbeiter auf ihre vielfältigen Aufgaben vorbereitet. Nach dem Unterricht darf auch das Freizeitprogramm nicht zu kurz kommen.

Rund 200 im Stil der 20er-Jahre aufgebrezelte Anwärter und AA‘ler lauschten dem von allen Lehrgängen zusammengetragenen Programm. Das Team um den Leiter unserer Akademie, Botschafter Schmidt, musste in 180 Minuten einmal um die Welt reisen und sich hierbei verschiedenen, von uns Anwärtern vorbereiteten Aufgaben stellen, um sich das entsprechende Reisegeld zu verdienen.

Wir hatten einen riesen Spaß mit dem selbstgedrehten Film der KSA’10, unserer Version des Familienduells, dem Personalführungskurs der Attas und einem überragenden Sketch der RSA’10 -von der „After-Show-Party" im Haus Australien mal ganz abgesehen… ;-)

Ansonsten gibt es bisher wenig Neues im Leben der KSA’11,  allerdings ist die Spannung auf die kommenden Wochen und die restliche Zeit bis Weihnachten schon ziemlich groß: So stehen zum Beispiel die Besprechung und Postenverteilung für das Inlandspraktikum sowie ein Kamingespräch mit dem deutschen Botschafter in Pjöngjang auf dem Programm, es folgen auch bald unser erster richtiger Leistungsnachweis (Staatsrecht) und die Klausuren in Englisch und Französisch, deren Ergebnisse für eventuelle Sprachempfehlungen und die Posten im Auslandspraktikum relevant sind.

Drei von uns werden diese Woche außerdem mit der Ausbildungsleitung des gehobenen Dienstes nach München zu einer Abimesse fliegen und dort das AA als Ausbildungsstätte repräsentieren, wiederum drei andere dürfen Anfang Dezember mit zur Afghanistan-Konferenz nach Bonn. Langweilig wird es uns also sicher nicht in nächster Zeit, zumal der Winter so langsam, aber sicher über Berlin hereinzubrechen scheint und wir uns schon alle sehr auf die winterliche Großstadt mit Weihnachtsmärkten und vielem mehr freuen!

Stand 30.11.2011


Vom Recht haben und Recht bekommen (Christin, KSA '11)

Es ist ja allgemeinhin bekannt: Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Dinge. Für die Akademie des Auswärtigen Dienstes hier in Tegel trifft das allerdings nicht zu. Wir haben hier Recht. Und das fünf Tage die Woche.

Von A wie Ausländerrecht bis hin zu Z wie Zivilrecht wird hier ein breites Spektrum an Paragraphen und Artikeln, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften gelehrt. Dass sich diese Regelungen nicht nur im Anfangsbuchstaben unterscheiden, wird im Unterricht ausführlich gepredigt. Mittlerweile sind wir jungen Rechtsstudenten in der Lage das neu Gelernte in seinen Grundzügen verstehen und anwenden zu können.

Für die meisten von uns war das Fach Recht absolutes Neuland. Früher ist man über den Begriff Rechtsbelehrung oder Bescheid vielleicht in diversen Anträgen gestolpert, doch die Bedeutung für die Verwaltung ist für uns erst jetzt klar und deutlich ans Licht getreten. Nun ja, vor unserem Studium waren wir auch nur Menschen, jetzt sind wir Beamte. 

Natürlich steckt hinter all dem viel Arbeit. Die Hoffnung, dass "Sie müssen es nicht auswendig lernen, sondern nur wissen wo es steht" gleichbedeutend ist mit "die Gesetzessammlung zum Öffentlichen Recht ist wie Wikipedia in Buchform" wurde leider enttäuscht. Die Gesetze müssen immer noch analysiert und ausgelegt werden. Und bei 1796 Seiten bekommt "wo es steht" eine ganz andere Bedeutung.

Neu in unserem Stundenplan ist seit kurzem das Seminar zum Völkerrecht. Besonders hier, aber auch in Ausländerrecht oder Passrecht, laufen die Stränge von Theorie und zukünftiger Praxis zusammen. Dazu möchte ich den Titel eines Stückes der Rechtsdozenten zitieren: "Alles hängt mit allem zusammen." Sehr passend sind auch die weisen Worte unseres Dozenten für Staatsrecht: "Meine Damen und Herren, (Staats-)Recht lebt."

Die vielen Stunden, in denen wir uns nun mit Recht beschäftigen, führen auf jeden Fall, aber auch hoffentlich, am Ende dazu, dass wir in den anstehenden Prüfungen und Klausuren "Recht" haben.

Stand 26.10.2011


Von der Theorie in die Praxis: Mein Inlandspraktikum bei VN02 (Marcel, RSA’11)

Am 19.09. war es soweit: Es ging endlich los mit unserem Inlandspraktikum, endlich kein Unterricht mehr und endlich die Theorie in die Praxis umsetzen! 

Schon die Begrüßung ließ darauf schließen, was uns in den künftigen 6 Wochen erwarten würde. Die Begrüßung im Referat durch die neuen Kollegen war sehr herzlich und machte mir den Einstieg in den neuen Alltag umso leichter. Für mich ging es zum Referat VN02 das sich unter anderem mit Krisenprävention und Demokratieförderung beschäftigt. Ich habe gleich zu Beginn an Referatsrunden, Abteilungsrunden und an Verhandlungen mit potenziell zu fördernden Projektpartnern teilgenommen.Bei der Durchsicht verschiedener Vorgänge zur Einstellung in die Zuwendungsdatenbank, einer Datenbank auf die alle Ministerien Zugriff haben und mit der eine Doppelförderung eines Projektes verhindert werden soll, bekam ich einen Einblick in die tägliche Arbeit der Sachbearbeiter und in verschiedene Projekte, die durch das Auswärtige Amt unterstützt werden. 

In meiner dritte Woche wechselte ich in die Registratur. Auch hier wurde ich herzlich empfangen und meine Ausbildungsleiterin zeigte sich sehr engagiert, mir das Rüstzeug für das Verwalten einer Registratur mitzugeben. Die Arbeit beinhaltet die Bearbeitung der digitalen und in Hardcopy eingehenden Posteingänge, das Einstellen und Bearbeiten von Daten und Vorgängen in den Dokumentenbearbeitungsprogrammen BAASys und E-Reg sowie das Verwalten von Akten und Vorgängen.

Die nächsten 3 Wochen gelten der Vertiefung der bisher erarbeiteten und erlernten Praktikumsinhalte. Ich werde versuchen, so viel wie möglich für die nahe Zukunft, für mein Auslandspraktikum an der Botschaft Hanoi, mitzunehmen.

Mein Zwischenfazit nach nun 4 Wochen ist äußerst positiv!

Ich habe einen guten Einblick in den Arbeitsalltag des Auswärtigen Amtes, in die Arbeit des Referates VN02 und der anderen VN-Referate erhalten und einige der Aufgabenbereiche durchlaufen, die mich in meiner Zukunft an den Auslandsposten und auch im Inland erwarten werden.

Ich muss sagen, dass die Arbeit in diesem Referat mir jeden Tag aufs Neue Spaß macht und zudem spannend und abwechslungsreich ist.

Stand 25.10.2011


text Inlandspraktikum als IT-Girl (Jana, RSA 11)
Fri, 21 Oct 2011 02:00:00 +0200

Inlandspraktikum als IT-Girl (Jana, RSA 11)

"Wer von Ihnen hätte denn Lust, das Inlandspraktikum im IT-Referat zu verbringen?" fragte uns unsere Ausbildungsleiterin Frau Barnhusen bei einem Lehrgangstreffen zum Thema Inlandspraktikum. Niemand meldete sich auf diese Frage, was Frau Barnhusen dazu veranlasste, zu betonen, dass für dieses sechswöchige Praktikum keinerlei IT-Kenntnisse oder Erfahrungen im IT-Bereich nötig seien.

In der darauffolgenden Stille überlegte ich "Warum eigentlich nicht?" und aus dem Moment heraus hob ich die Hand und meldete mich. Damit war ich für das Referat der Anwenderbetreuung eingeteilt.

Bis zum Praktikumsbeginn Mitte Oktober vergingen noch einige Wochen und ich hatte Zeit mir Fragen zu stellen, wie "Wie kommt man im IT-Referat klar, wenn man nur normale Anwenderkenntnisse in Word und Excel hat?", "Was macht man eigentlich in einem Referat, wenn man keine Ahnung von dem hat, was sie dort tun?" und vor allen Dingen "Wieso überhaupt habe ich mich bloß gemeldet, anstatt das Praktikum einfach wie viele andere in einer Registratur zu verbringen?"

Ich stellte mir vor, dass mir schon nach dem ersten Vormittag vor lauter Fachbegriffen wie Browsern, Servern, Clients, Grafikkarten und Netzwerken die Ohren rauschen würden und dass ich bis zum Ende des Praktikums nur Bahnhof verstehen würde. Würde ich außerdem die einzige Frau unter jeder Menge bebrillter Computerverrückter sein, die sich anschweigen und nur auf ihre verschiedenen Bildschirme starren? Trotz der Zweifel an meinen eigenen Fähigkeiten war ich auch gespannt auf den Blick hinter die Kulissen der IT und habe mich gefreut, alle oben genannten (eventuell übertriebenen?!) Vorurteile selbst prüfen zu können und mir mein eigenes Bild machen zu dürfen.

Nun hat schon die vierte Woche des Praktikums begonnen. Erste gute Nachricht: Ich lebe noch und liege nicht in einem der vielen Serverräume unter Metern von Kabeln begraben. Zweite gute Nachricht: Fachchinesisch? Keine Spur. Bisher war alles, was mir erklärt wurde, absolut verständlich und logisch.

Inzwischen habe ich schon sehr viel gelernt und in viele Bereiche einen Einblick bekommen. Die ersten zwei Wochen war ich hauptsächlich im Bereich der Ticketbearbeitung involviert. Jeder Anwender hat die Möglichkeit seine Probleme telefonisch oder per Mail darzustellen, welche dann jeweils in einem sogenannten Ticket verwaltet und bearbeitet werden. Falls die IT-Betreuer in den Auslandsvertretungen nicht weiterkommen, wenden auch sie sich an den IT-Service. Somit habe ich bei der Installation von referats-spezifischen Programmen (z.B. zur Abrechnung von Reisekosten) geholfen und bei der Reparatur von defekten Druckern oder Faxgeräten, flackernden oder plötzlich pinkfarbenen Bildschirmen zugeschaut.

Anwenderbetreuung im IT-Referat © AA

Jedes Problem ist individuell. Mal hakt es hier, mal hakt es da. Gerade das macht es spannend und abwechselungsreich. Natürlich gibt es auch Routinearbeiten, wie die Verwaltung der Benutzer - das heißt die Zuteilung von neuen Rechten und Rollen. Nach dem einheitlichen Versetzungstermin jedes Jahr sitzt in etwa ein Viertel der Bediensteten an einem anderen Arbeitsplatz mit anderen Aufgaben. Das wirkt sich natürlich auch auf die Arbeit am PC und somit in der IT aus.

Die Arbeitsfelder in der IT-Abteilung sind vielfältig : Es werden zum Beispiel Notebooks und Smartphones für Dienstreisen, Abordnungen oder Teleheimarbeitsplätze ausgegeben. Außerdem wird auch auf individuelle Ansprüche körperlich behinderter Mitarbeiter geachtet und Rücksicht genommen. Die Möglichkeiten reichen hier von einfachen Bildschirmlupen für Sehbehinderte bis zu komplett ausgestatten mobilen Blindenarbeitsplätze mit Braillezeile (ein Gerät, welches Zeichen in Brailleschrift darstellt) und Vorleser.

Einen Tag lang habe ich in der Akademie in Tegel beim Aufbau einiger Computer in den Unterkünften mitgeholfen und die Bereinigung der Internetrechner durchgeführt (durch die Anmeldung vieler verschiedener Anwender an dem gleichen Computer werden diese immer langsamer – aus diesem Grund müssen sie ab und an "bereinigt" werden).

An einem anderen Nachmittag durfte ich den neuen Internet Terminal Server testen, welcher demnächst allen Anwendern zur Verfügung stehen wird.

Auch die Referatssitzungen sind interessant. Ein Teil der Belegschaft sitzt in Bonn - aber was wäre eine IT-Abteilung, wenn es hierfür keine technische Lösung geben würde? Also wird regelmäßig eine Videokonferenz mit den Kollegen in Bonn geschaltet.

In den nächsten zwei Wochen darf ich in der Registratur und der Verwaltung reinschnuppern und dort sicherlich vieles lernen. Anschließend werde ich die letzte Woche noch einmal in der Anwenderbetreuung verbringen

In anderthalb Monaten wird man natürlich kein ausgebildeter Fachinformatiker, pardon, Fachinformatikerin - wobei mir noch einfällt, welches Vorurteil in den letzten Wochen auch widerlegt wurde – Frauen sind hier nämlich sehr wohl vertreten! Und Brillenträger gibt es auch nicht mehr als in der Durchschnittsbevölkerung. Die Kollegen sind sehr nett, hilfsbereit und werden nicht ungeduldig, mir alles genau zu erklären. Und wenn ich dann zum Beispiel zu einem defekten Faxgerät im Haus geschickt werde, dann bauen wir vorher auch schon einmal ein funktionierendes auseinander und es werden mir häufig auftauchende Probleme erklärt. Nach solch einer Einweisung kann man dann oft schon den Defekt beheben.

Würde Frau Barnhusen heute nochmal fragen : "Wer von Ihnen hätte Lust, das Inlandspraktikum im IT-Referat zu verbringen?", ich würde mich wieder melden. Die Ausbildung ist nicht nur interessant, sie hilft einem sowohl im beruflichen Bereich als IT-Betreuer an den Auslandsvertretungen wie auch im privaten Bereich weiter.

Die Aufgaben in der IT sind abwechselungsreich und vielfältig. Die Scheu, die viele davor haben, habe ich vollkommen verloren. Und wenn man sich vorstellt, dass alles, was die Computer zum Laufen bringt, nur auf 1 und 0 basiert, kann man nur noch staunen!

Stand 21.10.2011


text Gestorben wird immer (Jan, KSA '10)
Wed, 19 Oct 2011 15:37:00 +0200

Gestorben wird immer (Jan, KSA '10)

Wie viele Menschen wegen uns schon sterben mussten, weiß niemand. Egal ob in Strafrecht, Erbrecht oder gar in Wirtschaftsrecht: Gestorben wird immer!
Seit Mitte Juli machen wir uns jeden Morgen auf den Weg in die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), die sich – eingebettet in idyllischer Plattenbau-Architektur – auf einem ehemaligen Stasi-Gelände im Berliner Stadtteil Friedrichsfelde befindet.

Das 6-monatige Rechtsstudium der KSA10 hat angefangen und fordert seine ersten Opfer. Nein, nicht etwa wir KSAs sind gemeint (auch wenn das in manch einer Vorlesung den Anschein hat), sondern die unzähligen Opfer in den Fallbeispielen.

Leider hat niemand mitgezählt, wie viele Ehefrauen ihren untreuen Männern einen Dolch ins Herz gestoßen haben, wie viele Schwiegermütter vergiftet und wie viele Juwelierläden überfallen wurden. Wann liegt Notwehr vor? Wann ist ein Täter schuldunfähig? Was versteht man unter einem Unterlassungsdelikt? Diese und viele andere Fragen wurden uns im Fach Strafrecht beantwortet. Um das Ganze ein wenig anschaulicher zu gestalten und uns zu zeigen, wie ein Strafprozess abläuft, haben wir im Rahmen der Lehrveranstaltung auch eine Verhandlung im Amtsgericht Berlin-Tiergarten besucht. Wer dort zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird, landet möglicherweise in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel. Wir hatten die seltene Gelegenheit, bei einer Führung durch eben diese JVA - die größte Deutschlands – Einblick in den Gefängnisalltag zu bekommen. Zu unseren späteren Aufgaben an den Auslandsvertretungen kann nämlich auch die Betreuung deutscher Häftlinge gehören. Nicht nur für uns war der Besuch etwas Besonderes, sondern auch für die Gefangenen, die uns freundlich begrüßten ("Ey, wollt ihr mal nen Mörder sehen?", "Bitte nicht füttern!").

Doch die meisten Menschen wurden nicht in Strafrecht, sondern in Nachlassrecht um ihr Leben gebracht. Wie das passiert ist, ist uns diesmal egal. Es heißt nur kurz und knapp: "Der Erbfall ist eingetreten". Es gilt nun herauszufinden, wer wie viel erbt, wobei der Schwierigkeitsgrad von Vorlesung zu Vorlesung steigt. Je mehr außerhalb der Ehe geborene Kinder (uneheliche Kinder gibt es nicht mehr!), adoptierte Verwandte oder verschollene Ehegatten hinzukommen, desto größer wird die Verwirrung, und wir fragen uns zwangsläufig, ob wir mit solchen Fällen auch in der Praxis zu tun haben werden. Die Antwort: Ja. Nichts ist unmöglich, alles schon passiert.

Familienrecht hingegen bildet den Gegenpol zu diesen Lehrveranstaltungen. Hier wird selten gestorben. In den meisten Fällen entsteht sogar neues Leben, denn nur so können Fragen der Vaterschaft, der elterlichen Sorge und des Namenrechts erörtert werden.

Auch in Wirtschaftsrecht geht es geruhsamer zu. Meist werden GmbHs gegründet oder Kommanditanteile abgetreten. Nur manchmal stirbt ein Gesellschafter.

Und was ist, wenn einer dieser Fälle nun Auslandsbezug aufweist? Dann kommt das Internationale Privatrecht ins Spiel, doch diese Lehrveranstaltung steht uns noch bevor.

Das klingt alles furchtbar spannend, doch eigentlich gab es für die meisten von uns in den letzten Wochen nur ein Thema an der HWR: Wann kommt endlich die Liste mit den Posten, auf die wir uns für das Auslandspraktikum nächstes Jahr bewerben können?

Ständig kursierten neue Gerüchte über mögliche Orte ("Ich hab gehört, Kapstadt und Wellington stehen auf der Liste!") und Termine ("Anfang September soll die Liste kommen!"), so dass gegen Mitte September die Spannung unerträglich wurde. Vereinzelte KSAs checkten sogar alle 10 Minuten mit ihren Smartphones ihre E-Mails, in der Hoffnung, die Liste würde darunter sein. Vor drei Wochen hatte das Warten ein Ende und die Liste setzte allen Gerüchten ein Ende: Nein, Wellington steht nicht darauf, aber Kapstadt. Kein Phnom Penh, dafür Santo Domingo.

Jeder hat nun für sich entschieden, welche Prioritäten er bei der Postenwahl setzt und eine persönliche Rangliste erstellt. Nun heißt es wieder: Warten. Bis wir erfahren, ob es mit unseren Wunschposten geklappt hat, wird uns das Inernationale Privatrecht bei Laune halten, und wer weiß? Vielleicht spielt sich ja das ein oder andere Fallbeispiel an unserem zukünftigen Praktikumsplatz in New York, Bangkok oder Tel Aviv ab.

Stand 19.10.2011


Mein neuer Freund, der Webeditor (Svenja, KSA 10)

Am 24. Februar war es endlich soweit: Mein sehnsüchtig erwartetes Inlandspraktikum bei der Internetredaktion des Auswärtigen Amts begann. Etwas nervös und aufgeregt war ich schon, machte mich aber mindestens ebenso gespannt auf den Weg zu dem Büro meiner zukünftigen Ausbilderin. Ich klopfte und nach kurzem Zögern trat ich in das Büro und wurde sofort sehr herzlich mit den Worten „Wir duzen uns hier alle." begrüßt. Ein sehr netter Empfang und so fühlte ich mich vom ersten Augenblick an wohl hier!

Sogleich wurde ich dann auch schon ins kalte Wasser geworfen und bekam erste Einblicke in den sogenannten „Web-Editor". Das ist jenes Programm, mit dem ich mich die nächsten fünf Monate am meisten anfreunden sollte! Mit seiner Hilfe kann man nämlich an der Homepage des AA arbeiten! Und ja, ich kann es bestätigen, ich habe es in kurzer Zeit lieben gelernt, auch wenn mir manche Eigenschaften nicht immer ganz schlüssig und verständlich erschienen und ich teilweise doch eher verzweifelt bin.
Meine Ausbilderin zeigte mir fast noch im selben Moment, wie ich die aktualisierten Länderinformationen zu Guinea auf die Homepage einstelle. Im Laufe der Zeit merkte ich: alles weniger schwierig als gedacht! Denn vor allem in den ersten zwei bis drei Wochen waren die vielen unterschiedlichen Funktionen und Varianten, mit denen man einzelne Homepageseiten bauen kann, doch eher wie böhmische Dörfer für mich.

Nach und nach fand ich dann durch Hinterfragen und viel Ausprobieren heraus, dass man für eine gelungene Seite sowohl ein „Navigationsziel", als auch einen „Navigationsknoten" benötigt. Ich lernte, was ein Teaser oder eine Marginalspalte sind und in welcher Größe man Bilder zuschneiden muss, damit man sie in die Seiten einbauen kann.

Auch ansonsten sind meine Aufgaben sehr vielfältig und machen mir viel Spaß: Ich bekomme E-Mails von den verschiedensten Referaten im Hause, die gerne bestimmte Bereiche auf der Homepage ändern und aktualisieren möchten. Manchmal suche ich zu den Texten ein passendes Foto aus der Fotodatenbank heraus, stelle Interviews und Reden des Ministers ein oder beantworte Bürgeranfragen.

Ganz besonders habe ich mich auch über diejenigen Arbeitsaufträge gefreut, die von meiner Ausbildungsleitung kamen und in denen es darum ging, die Seiten des Gehobenen Dienstes zu pflegen und zu aktualisieren oder auch einen Blogeintrag von Kollegen einzustellen. Denn immerhin: Bis vor fünf Monaten war ich ja selbst „nur" Nutzerin dieser Seiten!

Als sehr interessant empfinde ich auch die Arbeit für die Kinderseite des Auswärtigen Amts. Dies wiederum bedeutet für mich, komplexe politische Texte so umzuschreiben, dass ihr Inhalt kindgerecht und verständlich präsentiert werden kann. Es mag vielleicht einfach klingen, doch das ist es aber keineswegs. Man muss sich nämlich überlegen, wie Kinder denken und wie sie etwas verstehen. Im Klartext: kurze, einfache Sätze und viele Erklärungen zu schwierigen politischen Begriffen.

Ein besonderes Highlight während meines Praktikums war sicherlich auch das NATO-Außenministertreffen, welches im April 2011 hier in Berlin stattgefunden hat. Da die Internetredaktion eng mit dem Pressereferat zusammenarbeitet, konnten zwei andere KSA-Kollegen und ich die Organisation und Durchführung rund um das Pressezentrum und die Pressearbeit hautnah miterleben. Ich durfte eng mit dem Presseteam der NATO zusammenarbeiten, war bei den Pressekonferenzen des NATO-Generalsekretärs dabei und war auch sonst Ansprechpartnerin für die NATO-Kolleginnen und Kollegen in Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und dem Pressezentrum. Es waren zwar drei sehr anstrengende, aber unglaublich ereignisreiche und spannende Tage, die ich im Pressezentrum verbringen durfte und an die ich mich noch lange erinnern werde!

Mein Fazit knapp zweieinhalb Wochen vor Ende meines Praktikums ist überaus positiv! Ich habe einen Einblick in ein Arbeitsfeld des Auswärtigen Amts bekommen, das ich persönlich sehr interessant finde. Ich habe gelernt, dass es im Internet auf Zeit ankommt und es teilweise um Minuten geht, eine Rede des Ministers oder eine Pressemitteilung einzustellen. Ich habe die Twitteranfänge des Auswärtigen Amts miterlebt und weiß nun auch, dass es die „Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung" gibt und dass daher Wörter wie Prozent, Millionen und Euro ausgeschrieben werden sollen. Hierfür habe ich auch zwei Seiten in sogenannter „Leichter Sprache" erstellt, die es Menschen mit Beeinträchtigungen dank leichter Ausdrucksweise, großen Buchstaben und vielen Bildern ermöglichen, komplizierte Texte zu verstehen.

Meine Tätigkeit umfasst zwar keine Arbeit mit den berüchtigten und allseits geliebten Akten, so habe ich keine Vermerke oder Reisekostenabrechnungen geschrieben und wir haben auch keine Registratur (und dabei waren doch das die Dinge, über die wir im Organisationsunterricht vorher etwas gelernt haben und die eigentlich im Auswärtigen Amt eine große und wichtige Rolle spielen), aber dennoch nehme ich viele neue Erfahrungen und neues Wissen mit auf meinen weiteren Weg.

Stand 30.06.2011


Karaoke in Brüssel; Speed Meet in Den Haag (Margarete, 66. Crew)

Mit einem Highlight endet das gemeinsame Seminar der französischen und deutschen Attachés in Brüssel: Karaoke multilingual! In Den Haag treffen wir „kleine Brüder" in Rekordzeit.

Spätestens, als die Backstreet Boys mit Frontman Justus zu „Everybody" die Bühne rocken, hebt die Stimmung ab und ist völlig losgelöst von der Erde. Keiner der deutschen oder französischen Attachés widersteht nun noch der Versuchung, laut mitzusingen. Die Szenerie: eine Karaokebar in der Brüsseler Innenstadt. Am letzten Abend des deutsch-französischen Moduls der vergangenen beiden Wochen feiern wir Abschied.

Karaoke multilingual

Die anfängliche Hemmung, vor den rund hundert Kollegen ins Mikrofon zu trällern, ist schnell überwunden. Nun haben die Mitarbeiter der Bar Mühe, allen Wünschen der Singwütigen nachzukommen. Nach den gemeinsamen Tagen mit den französischen Attachés in Paris und Brüssel zeigt sich beim Karaoke einmal mehr, was uns trennt und was verbindet.

Während sich meine deutschen weiblichen und männlichen Kollegen melodie- und textsicher bei Herbert Grönemeyers „Männer" und Matthias Reim „Verdammt ich lieb’ dich" zeigen, so können bei „Alexandra, Alexandrie" und „Gigi d’Amoroso" zunächst nur die französischen Kollegen einstimmen. Jedoch: Bald haben auch die jeweils anderen mindestens den Refrain verstanden und stimmen mit ein. Spielerisch überwinden wir so an unserem letzten Abend interkulturelle Hürden. Im nächsten Jahr, so überlegen wir, sollte der deutsch-französische Austausch mit einem Karaoke-Abend beginnen.

Von Brüssel nach Den Haag: EU, Fritten und der Internationale Strafgerichtshof

Europa-Gartenzwerg © AA

Die Brüsselreise bot jedoch nicht nur Karaoke für uns. Vielmehr haben wir an beiden Tagen gemeinsam mit den französischen Kollegen die Arbeit europäischer Institutionen und der Ständigen Vertretungen Deutschlands und Frankreichs kennengelernt. Auch ein Besuch bei der NATO stand auf dem Plan. Nicht zuletzt konnten wir uns von dem hervorragenden Geschmack belgischer Fritten überzeugen: ein nicht unerhebliches Argument für einen Posten in Brüssel!

Viel zu früh fährt der Bus am nächsten Morgen nach dem gelungen Karaoke-Abschied nach Den Haag ab. Doch der Attaché ist ein gleichermaßen tags- wie nachtaktives Tier. So sind spätestens bei der Ankunft am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auch die müden Geister wieder munter. Neben einem Einblick in die aktuellen politischen Entwicklungen um den Gerichtshof fesselt uns sein Zeugenschutzprogramm besonders.

Eine Mitarbeiterin erklärt uns, wie Zeugen auf ihre Aussage in Den Haag vorbereitet werden. Filme in der Landessprache des Zeugen geben beispielsweise Aufschluss über die Funktionsweise, Aussehen und Zweck des Gerichts. Für Zeugen aus ländlichen Gebieten in Staaten wie beispielsweise der Demokratischen Republik Kongo ist diese Vorbereitung essentiell, werden sie doch am Gerichtshof mit einer ihnen fremden Welt konfrontiert.

Über „kleine" und „große Brüder"


Am letzten Tag unserer Reise folgen wir einer Einladung des niederländischen Außenministeriums zu Broodjes und Speed Meet. In seiner Begrüßung vergleicht ein hochrangiger Mitarbeiter des Ministeriums die deutsch-niederländischen Beziehungen – augenzwinkernd - mit denen zweier Brüder. Der „kleine Bruder" mag dem „größeren" schon einmal auf die Nerven gehen. Dennoch brauche er Aufmerksamkeit auch auf den Partys, wo sich „ältere Brüder" lieber mit anderen Gästen unterhalten wollten.

Ein Appell an uns, in unserer künftigen Arbeit die Beziehungen mit unseren niederländischen Partnern zu pflegen. So ist der letzte Programmpunkt der Reise auch prompt einem Speed Meet mit „kleinen Brüdern" gewidmet. In Rekordzeit haben wir die Gelegenheit, mit Mitarbeitern des Ministeriums über ihre Arbeit zu sprechen. Zwei niederländische Kollegen schildern ihre Arbeit als Austauschbeamte im Auswärtigen Amt. Besonders groß ihr Erstaunen darüber, so erzählen sie, dass es auf den Fluren des Amts in Berlin so wenige Kaffeeautomaten gab. Denn diese seien doch der beste Ort, um sich informell über die Arbeit auszutauschen.

Das Ende der Klassenfahrt

Nach drei Runden Beziehungspflege verlassen wir am Freitag Nachmittag das Außenministerium mit der Aussicht auf eine beschwerliche Rückreise von Den Haag nach Berlin – elf Stunden im Bus. Doch wider Erwarten kann dies nicht dazu beitragen, die nach zwei Wochen intensiver Klassenfahrt blendende Stimmung zu trüben: im Gegenteil. Schnell beginnen im Bus die Spiele. Bei einer Gruppe um Miriam und Nabil steht Filme-Scharade hoch im Kurs: von „Sideways" bis hin zu „Mamma Mia" gilt es, Filme pantomimisch nachzustellen und zu erraten. Eine andere Gruppe hat sich darauf verlegt, „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht" zu zocken und sich darüber in die Haare zu kriegen, eine dritte hat Trivial Pursuit ausgepackt.

Erst spät nachts kommen wir in Berlin an, voller Eindrücke aus intensiven zwei Wochen in Paris, Brüssel und Den Haag. Schade nur, dass wir im Bus keine Karaoke mehr singen konnten, aber vielleicht funktioniert das bei der nächsten Reise. Mit Osvaldo Farres: „Quizás, Quizás, Quizás".

Stand 22.06.2011


text Inlandspraktikum im Krisenkeller (Romy, KSA 10)
Fri, 17 Jun 2011 18:17:00 +0200

Inlandspraktikum im Krisenkeller (Romy, KSA 10)

Seit Ende Februar bin ich die „040-ksa", heißt: die Praktikantin vom Krisenreaktionszentrum, welches wohl situiert im Keller des AA-Altbaus in den Schatzbunkern der ehemaligen Reichsbank liegt. Die dicken Stahltüren und –fenster sind noch vorhanden, weil denkmalgeschützt und es wird gemunkelt, dass die Leute vom Krisenreaktionszentrum (KRZ) selten das Licht der Sonne sehen.

Diesem Gerücht wollte ich selbst mal nachgehen und setzte das KRZ auf Platz 1 meiner Praktikumswunschliste und voilà, hier bin ich.

Offiziell als Referat 040 geführt und direkt dem Minister und dem Staatssekretär unterstellt, gibt es hier immer etwas zu tun. Aber man fragt sich vielleicht zu Recht: was machen die Leute da eigentlich, wenn keine Krise ist? Die Antwort: exzessive Krisenvorsorge und –früherkennung. Und diese Arbeit ist durchaus nicht zu verachten.

An meinem ersten Tag jedoch stolperte ich nun mitten hinein in die Libyen-Krise; ein Großteil der 040-Mitarbeiter versammelt sich bei solchen Krisen dann in einem speziellen Großraumbüro und es herrscht reges Treiben: Flugpläne hier, Vermisste da, Krisenstabssitzung dort. Es scheint ein komplettes Durcheinander zu sein, auf den zweiten Blick erkennt man jedoch das professionelle und straff durchorganisierte System.

Meine erste Aufgabe bestand darin, deutschen Staatsangehörigen, die in Libyen auf Ölfeldern oder mitten in Tripolis festsaßen, seelischen Beistand via Skype zu geben, ihnen Informationen zu Ausreisemöglichkeiten weiterzuleiten und sie teilweise auch auf ihrem Weg „nach draußen" zu begleiten. Klingt langweilig, ist aber wirklich spannend: Von der Mama mit Kindern, die im Haus festsaßen, weil draußen geschossen wurde bis hin zum Firmenmitarbeiter, der versuchte, mit dem Taxi nach Tunesien zu flüchten, hatte ich so ziemlich alles an der Strippe.

Ich war in meinen ersten zwei Tagen jedenfalls so unglaublich beeindruckt, dass ich nachts fast nicht schlafen konnte, mit tellergroßen Augen im Bett lag und euphorisch davon überzeugt war, endlich im Praktikumshimmel gelandet zu sein.

Nach Libyen war dann eine Woche Ruhe. Eine Woche, in der ich erst mal alle meine KollegInnen richtig kennenlernen und mein eigenes Büro beziehen durfte – ich schau zwar auf den Innenhof, aber ich sehe die Sonne, wenn sie sich in den Fenstern gegenüber spiegelt. Alle KollegInnen sind sehr nett und offen und haben mich sofort in ihren Kreis aufgenommen.

Ich hatte mich schon fast wieder an die Ruhe gewöhnt, als in Japan die Erde bebte. Man lernt hier schnell: nach der Krise ist vor der Krise.

Und so knipsten wir wieder das Licht im Großraumbüro an, packten unsre Gittermappen zusammen und begrüßten uns zur nächsten Krise. Diesmal verbrachte ich viel Zeit im Telefonpool, nahm Vermisstenanzeigen auf, beruhigte weinende und besorgte Eltern und beriet ratlose Touristen.

Zum Ende der Krise durfte ich dann auch die etwas skurrilen Fälle am Telefon betreuen: ehemalige Bauarbeiter, die meinten, die Japaner sollten mal Betonspritzwagen oder Trockeneis zur Löschung des Feuers im AKW benutzen. Oder engagierte Bürger, die anboten, japanische Kinder (und auch wirklich nur die Kinder) bei sich zu Hause aufnehmen zu wollen. Touristen, die sich fragten, ob sie im Sommer unbesorgt auch nach Chile reisen könnten, wie solle denn in drei Monaten das Wetter da werden?…eben solche Sachen.

Lange kann man an so einem Telefon tatsächlich nicht sitzen, man entwickelt leicht misanthrope Anwandlungen und schon beim ersten Satz eines Anrufers („Ich hab da mal einen Vorschlag") wusste ich, die Tischplatte vor mir würde wieder zur Kopf-gegenhau-Vorlage zweckentfremdet werden. Aber unterhaltsam war’s allemal.

Nach Japan konnte ich dann endlich den normalen Arbeitsalltag im KRZ kennenlernen. Zum Beispiel arbeitet man hier ständig an der Optimierung der Arbeitsmöglichkeiten während einer Krise und versucht, sich zu verbessern. Einen Status Quo gibt es nicht, jede Krise ist anders. Und so wird immer auch ordentlich nachgearbeitet: Was kann man verbessern? Wie kann die Vermissten-Software optimiert werden? Wo kann man noch an der Kommunikation arbeiten?

Dann werden Freiwillige geschult, auf die in Krisenfällen z.B. auch für den Telefonpool zurückgegriffen wird, weil dieser in Krisenzeiten 24/7 besetzt werden muss. Ich durfte also Telefonpool-Seminare und Erstsprecherschulungen mit-organisieren und sogar selbst daran teilnehmen. Auch gibt es freiwillige Krisenteams, die in Krisenfällen die Auslandsvertretungen vor Ort unterstützen. Diese Teams werden ebenfalls eingehend geschult und vorbereitet, u.a. in Kooperation mit dem THW oder durch einen Besuch bei der Gerichtsmedizin und der Intensivstation der Charité. So ein Kriseneinsatz ist schließlich nicht zu unterschätzen.

Zurzeit arbeite ich außerdem noch intensiv an der Aktualisierung der Krisenpläne der Auslandsvertretungen. Jede Vertretung hat einen eignen Krisenplan im Intranet, der regelmäßig aktualisiert werden muss, was mal mehr, mal weniger ernst genommen wird und woran ich die Vertretungen dann mal mehr, mal weniger freundlich erinnern darf. Zwischendurch habe ich noch den Besuch meiner KSA-MitstreiterInnen im KRZ und beim BKA mit-organisiert und das Freiwilligenportal im AA-Intranet aktualisiert.

Ein Highlight war definitiv auch die Woche im Lagezentrum, welches ja 24/7 besetzt ist und im AA das „Mädchen für alles" ist, wenn die anderen MitarbeiterInnen Freitag Nachmittag die Lichter in ihren Büros ausschalten. Dort konnte ich die Krise in der Elfenbeinküste miterleben, Krisenstäbe mit-organisieren und Telefonkonferenzen schalten.

Meine bisherige Praktikumsbilanz kann sich jedenfalls sehen lassen: bei zwei Großkrisen mittendrin statt nur dabei gewesen, in unzähligen Krisenstabsitzungen gesessen und 4 Botschaften wurden zumindest vorübergehend geschlossen (Tripolis, Tokyo, Abidjan, Sanaa). Aber wie ich gelernt habe: Nach der Krise ist vor der Krise. Man weiß hier nie, was noch alles auf einen zukommt, wenn man morgens zur Arbeit kommt.

Für mich steht jedenfalls fest: Wenn Posten in Berlin, dann nur beim KRZ! Wer braucht schon Sonne im Büro, wenn er Krisen haben kann? Im Praktikumshimmel bin ich hier so oder so…

Stand 17.06.2011


Die 66. Crew zu Gast bei Freunden (Lena, 66. Crew)

Ob man sich nun für Fußball begeistern kann oder nicht, eines muss man diesem Sport lassen: Es gibt wohl kaum eine andere gemeinsame Aktivität, die schneller das Eis zwischen Menschen bricht. Das hatten sich wohl auch die französischen Nachwuchsdiplomaten gedacht, als sie ein Freundschaftsspiel  auf das Programm des diesmal in Paris stattfindenden zweiten deutsch-französischen Moduls setzten. Und so pilgerten wir bereits am zweiten Abend mit der gesamten Crew und in Begleitung einiger französischer Kollegen in reger Vorfreude in Richtung Centre Sportif, um die aus deutscher Sicht dürftige Bilanz deutsch-französischer Begegnungen auf dem Fußballplatz aufzupolieren. Hatte man sich tagsüber im Quai d’Orsay zwar neugierig, aber doch noch etwas zurückhaltend in Anzug und Kostüm beäugt, zeigte sich auf dem Platz ein weitaus entspannteres Bild: Schnell einigten sich die ganz ins Weiß der Betriebsporttrikots des Auswärtigen Amtes gehüllten Spieler der 66. Crew mit den bunt auflaufenden Kollegen aus Frankreich auf Spielzeit und Fairplay. Die gut gelaunte Fananhängerschaft nutzte den gemeinsamen Ausflug für ein bilaterales Picknick und breitete an der Seitenlinie Baguettes, Rotwein und andere Köstlichkeiten aus. Diplomatie auf dem (Kunst-)Rasen: Es konnte losgehen!

Der Ball ist rund und ein Spiel dauert – nun ja – 60 Minuten

Beim Fußballspiel © AA

Nach Anpfiff zeigte sich zunächst ein ausgeglichenes Match; beide Seiten spielten engagiert und hatten sichtlich Spaß. Wie fair es zuging zeigte sich gegen Mitte der ersten Hälfte, als auf einmal ohne Zutun der Schiedsrichterin der Ball nach einem Handspiel im Strafraum auf dem Elfmeterpunkt  der Franzosen lag. Stürmer Nabil verwandelte unter dem Jubel der Fans eiskalt zum 0:1. Doch die Freude der Deutschen währte nicht lang, denn trotz einer Glanzleistung des Torwarts, der „Katze Schreiber", gelang Frankreich kurz darauf der Ausgleich. Jetzt ging es Schlag auf Schlag: Edeljoker Moritz erhöhte zum 1:2 und fachte erneut die Euphorie der Picknicker an, aber wiederum glichen les bleus kurz vor der Pause aus.

Ein gerechtes Remis, doch versprach die Statistik der deutsch-französischen Begegnungen weitere Tore. Die Spannung stieg mit Wiederanpfiff und die Fans beider Mann- bzw. Frauschaften (während sich bei den Franzosen mehrere Frauen an den Ball wagten, hielt im deutschen Team Monika die Fahne hoch) reihten sich an der Seitenlinie auf, um Fangesänge anzustimmen. Obwohl in Unterzahl machten die französischen Fans hier eindeutig das Rennen, doch auf dem Feld drehte unterdessen das Team der 66. Crew richtig auf: Nach einer großartigen Doppelpassreihe und anschließend durch einen Traumgassenpass von Publikumsliebling Dr. Hanke konnte Edelstürmer Nabil noch zweimal den Ball im Netz versenken und auch Moritz machte ein weiteres sehenswertes Tor. Wen wundert es bei dieser Leistung, dass einige der französischen Zuschauer unsere Auswechselspieler sogleich vom Charme ihres Landes zu überzeugen versuchten: Nicht nur haben die wichtigsten Institutionen der französischen Außenpolitik deutsche Austauschdiplomaten; auch der Transfermarkt ist bereits geöffnet… Die französischen Fans brachte das Ergebnis indessen nicht von ihrer guten Laune ab und einige Berliner mischten sich zwischendurch in ihre Reihen und lernten Sprechchöre auf französisch – man weiß nie, wofür das im künftigen Diplomatenleben noch gut sein mag! Die abschließende la ola – Welle erstreckte sich schließlich quer durch die deutsch-französischen Reihen.

Das Nachspiel – auf eine baldige Revanche

Nach Abpfiff (Endstand 2:5) überreichte Cédric im Namen der Franzosen den Siegerpokal und die Tegeler Crew ließ sich noch einmal feiern. Man war sich mit den französischen Kollegen schnell einig, dass dieser gelungene Sportevent seinen krönenden Abschluss bei einem kühlenden Bier in einer Pariser Kneipe finden sollte. Gemeinsam ließ man das Spiel Revue passieren und fachsimpelte über dessen Ausgang. Fitness und Fußballkünste hin oder her, einiges hatten wir definitiv auf unserer Seite: Nicht nur spielte im Deutschlandtrikot ein japanischer Starspieler, unser Gastdiplomat Hikaru, der mit seiner freundlichen Art den Teamgeist stärkte. Auch den Heimvorteil der Franzosen gab es nur bedingt – denn hier waren wir eindeutig zu Gast bei Freunden!

Stand 16.06.2011


Die ersten vier Wochen als Attaché (Karl Philipp, 66. Crew)

Am 2. Mai 2011 war es endlich so weit: Unser erster Tag in der Akademie Auswärtiger Dienst! Vor einem Jahr standen wir mit dem Ausfüllen der Bewerbermaske - hier auf der Homepage des Auswärtigen Amts - noch ganz am Anfang des fast einjährigen Auswahlverfahrens. In den letzten Wochen vor Dienstbeginn verspürten wir dann eine Mischung aus freudiger Erwartung und Respekt vor dem, was uns erwarten würde. Schließlich sind die neuen Kolleginnen und Kollegen mindestens genauso qualifiziert und das Niveau des nun anbrechenden 14-monatigen Lehrgangs bestimmt sehr hoch.

Der Tag begann jedoch erst einmal mit einer kleinen Einführung der Ausbildungsleitung, einer Vorstellungsrunde der 40 Crew-Mitglieder, und einer Führung über das wunderschöne Gelände der Akademie Auswärtiger Dienst, gelegen auf einer Halbinsel des Tegeler Sees im Nordwesten von Berlin. Nach unserem ersten Mittagessen in der Kantine im "Seepavillon" folgte der Höhepunkt des Tages: Die feierliche Vereidigung durch Staatssekretär Dr. Peter Ammon. Ein erhabener Moment, die Hand zum Diensteid zu heben und im Chor dem Staatssekretär nach zusprechen.

Nun sind wir also Beamte auf Widerruf mit der Amtsbezeichnung Attaché. Ein erstaunlicher Titel für Berufseinsteiger, der jedoch gemäß dem französischen Verb "attacher" eigentlich nur ausdrücken will, dass wir in den kommenden 14 Monaten als Anwärter des höheren Auswärtigen Dienstes an das Auswärtige Amt "gebunden werden". Ein lang gedienter Kollege aus der Zentrale sagte uns später, dass wir die 14 Monate als Attachés genießen sollten, da wir so einen schönen Titel erst wieder bekämen, wenn wir vielleicht irgendwann einmal Botschafter werden würden.

Von den Höhen diplomatischer Titel holten uns die darauf folgenden Tage mit Themen wie Organisationskunde, Dienstrecht, einem Teamseminar und Intensivsprachkursen in Englisch und Französisch schnell auf den Boden des Akademiealltags zurück. Sehr spannend gestaltete sich die zweite Woche: Wir lernten die Zentrale des Auswärtigen Amts am Werderschen Markt kennen, bekamen die Schätze des politischen Archivs zu Gesicht und beschäftigten uns intensiv mit dem Thema "Das Amt und die Vergangenheit".

Die zweite und dritte Woche unseres Attaché-Lehrgangs waren für das Europaseminar reserviert. In diesem Teil stellten uns Kollegen der Europaabteilung ihre Arbeit sowohl von theoretischer wie praktischer Seite vor. In verschiedenen Übungen simulierten wir dabei zum Beispiel Verhandlungen in Arbeitsgruppen des Rats der EU und die Abstimmung verschiedener Bundesministerien in Europafragen. Spätestens nach diesen zwei Wochen war jedem von uns klar, dass Europa im Auswärtigen Amt ein Querschnittsthema ist, das uns auf fast jedem Posten begleiten wird.

Neben der großen Menge fachlichen Inputs blieb in den ersten vier Wochen jedoch auch Zeit, die Crew-Kollegen persönlich kennen zu lernen. Insbesondere diejenigen von uns, die in der Akademie Auswärtiger Dienst wohnen, haben sich schnell zu gemeinsamen Aktivitäten, wie dem Joggen im Tegeler Forst, dem Schwimmen im Tegeler See oder Einkaufstouren ins nahe Alt-Tegel zusammen gefunden.

Dabei haben wir auch schon regen Kontakt mit den KSAs (= Konsularsekretärsanwärter= Anwärter im gehobenen Dienst) und den RSAs (= Regierungssekretärsanwärter= Anwärter im mittleren Dienst) aufgenommen, die ebenfalls in der Akademie lernen und teilweise leben. Ein erstes Highlight dabei war die großzügige und ausschweifende Willkommensparty der KSAs für uns. In Erinnerung wird uns auch der glückliche Sieg der Attaché-Mannschaft gegen die klar überlegene Mannschaft der RSAs im ersten gemeinsamen Fußballspiel bleiben.

In einer Woche steht bereits unsere erste dienstliche Reise nach Paris an. Dort werden wir im deutsch-französischen Modul, welches von den beiden Außenministern ins Leben gerufen wurde, unsere französischen Anwärter-Kollegen kennen lernen. Wir freuen uns darauf!

Ein weiterer Blogbeitrag aus den ersten vier Wochen:

Stand 01.06.2011


text Es schneit! (Lara und Nico, KSA10)
Tue, 14 Dec 2010 11:23:00 +0100

Es schneit! (Lara und Nico, KSA10)

Heute hat es zum ersten Mal geschneit seit wir auf Reiherwerder leben und lernen. Das Gelände ähnelt bei diesem Wetter mehr denn je den Ländereien von Hogwarts: Der See, der verbotene Wald mit seinen Zauberkreaturen (den so genannten Wildschweinen, Rehen und Füchsen), das Shuttle oder auch Howarts-Express und die Katze, die allerdings Simon und nicht Mrs Norris heißt, können diesen Eindruck erwecken. Allerdings heißen unsere Schulhäuser Asien, Afrika, Nord- und Südamerika, anstatt Gryffindor, Ravenclaw, Hufflepuff und Slytherin. Momentan büffeln wir die dunkle Magie der öffentlichen Finanzwirtschaft und Verteidigung gegen verhexte Zivilrechtsfälle.

Diese Assoziation kam uns wahrscheinlich auf Grund des neuen Harry Potter Films in den Sinn. Vielleicht wurde sie aber bereits bei unserer Vereidigung geweckt, als einer unserer lieben Mitstreiter uns mit den Worten von Professer Albus Dumbledore begrüßte: „Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die zeigen, wer wir wirklich sind, es sind unsere Entscheidungen."

Das hat sich in den letzten vier Monaten als wahr bewiesen: Zunächst waren es recht Einfache: Mit wem teile ich mir ein Zimmer auf der Lehrgangsfahrt nach Brüssel? Kaufe ich einen Wäscheständer bei IKEA oder benutze ich die Trockner? Und gehe ich Ende Oktober bei gefühlten 3 Grad Wassertemperatur noch einmal im See schwimmen? Mit der Zeit kamen aber kompliziertere Fragen auf: Wie füllt man einen Reisekostenantrag aus? Wie speichere ich eine Datei auf dem Amts-PC ab? Und wirklich tragisch: Wie drucke ich sie aus? Aber selbst diese hochdramatischen Probleme konnten die gute Laune auf Reiherwerder niemals trüben.

Doch wir haben auch Entscheidungen zu treffen, die uns wirklich beschäftigen. Vor zwei Wochen erhielten wir die Liste für das Inlandspraktikum. Tagelang diskutierten wir Vor- und Nachteile verschiedener Referate und fragten ältere Jahrgänge fleißig nach ihren Erfahrungen aus. Möchte ich tatsächlich meinen Nachtschlaf opfern und morgens um 4 Uhr ins Pressereferat eilen? Kann ein Rechtsreferat wirklich Spaß machen? Lerne ich in der Protokollabteilung berühmte Politiker kennen? Schließlich traf jeder seine eigene Entscheidung und jeder hat seinen Wunschzettel ausgefüllt. Man munkelt, es wären auch ein paar Rechtsreferate dabei, die sehr lehrreich für das weitere Berufsleben sein sollen.

Die Entscheidungen sind getroffen. Sie haben uns nicht gezeigt, wer wir sind, aber was wir wollen. Wir sind sicher, dass wir noch viele weitere Entscheidungen treffen werden. Vielleicht kommt dann auch die Erleuchtung. In diesem Sinne: LUMOS!

Stand 14.12.2010


Mit großen Schritten auf kleinen Trittsteinen (KSA 2010)

Fast ein Jahr lang hatten wir auf diesen Moment hingefiebert. Jetzt war der Augenblick gekommen, in dem ein Traum Realität wurde. Am 30. Juli 2010 wurden wir, die KSA 2010, zu Beamten auf Widerruf ernannt und begannen sowohl unsere Ausbildung an der wunderschön gelegenen Akademie Auswärtiger Dienst als auch ein neues Leben.

Wir kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, manche durften schon Erfahrungen auf dem Globus sammeln, hatten bereits studiert oder es zumindest begonnen. Nicht wenige jedoch kamen "frisch von der Schule".

Aber egal woher wir alle kommen, wir sind nun alle auf den selben Weg eingebogen, der uns durch die Ausbildungsetappen bis zur Laufbahnprüfung und darüber hinaus in ein aufregendes, abwechslungsreiches Leben im Auswärtigen Dienst führen soll.

Dieser Weg, den wir seit nunmehr gut 2 Monaten gemeinsam gehen, ist gepflastert mit unzähligen kleinen Trittsteinen, die uns in großen Schritten nach vorne bringen.

Sie tragen Namen wie Verwaltungsrecht, Staatsrecht, Englisch, Französisch, oder Organisation, aber auch Küchenabend, Mottoparty oder Diskobesuch.

Das Leben hier an der Akademie ist interessant, abwechslungsreich und einfach nur schön. Es gibt viel zu lernen und der Stundenplan ist ziemlich dicht bepackt, aber man weiß auch, dass man alles, was man beigebracht bekommt, später auch wirklich braucht.

Das Vergnügen kommt natürlich auch nicht zu kurz, sei es beim Theaterspiel der Rechtsdozenten, den Küchenabenden oder den samstäglichen Ausflügen ins Berliner Nachtleben.

Bei all diesen Aktivitäten vergeht die Zeit wie im Flug und in knappen vier Monaten erreichen wir dann unser erstes Etappenziel, an dem wir uns versuchen dürfen, die Zwischenprüfungen.

In diesen Monaten werden wir noch vieles erleben, doch ich kann jetzt schon sagen, dass die Entscheidung für die Ausbildung beim Auswärtigen Amt wohl eine der besten war, die ich in meinem Leben je getroffen habe und weiß, dass meine Kollegen das ähnlich sehen.

David Punzelt

Stand 26.10.2010


Erste Dienstreise: Mission Possible – „Rekruten" werben - 14.04.2010 (Sabine, RSA 08)

Dass dies einmal auch zu den Aufgaben eines RSA’s (Anwärter mit Mittleren Dienst) gehören könnte, hätte ich am Anfang nie gedacht… Und dass ich zusammen mit meinem lieben Kollegen Ben von dem Kurs ausgewählt werden würde, erst recht nicht! Wir beide bekamen die Gelegenheit, zusammen mit unserer Ausbildungsleitung nach Hamburg auf Dienstreise zu fahren.

Eigentlich hörte sich dies am Anfang ganz einfach an…

Mitte April fand die Messe „Einstieg 2010", eine Informationsveranstaltung für Schulabgänger, statt. Auch das Auswärtige Amt würde einen Stand haben, wo sich interessierte Schulabgänger oder auch schon Studierende über die Möglichkeiten im Auswärtigen Amt informieren konnten.

Zugegeben, ganz so verkehrt war die Auswahl von der Ausbildungsleitung ja nicht… Ben und ich haben bisher eigentlich nur gute Erfahrungen machen können und somit war es nicht verwunderlich, dass wir den Menschen mehr oder weniger vorschwärmten, wie toll es bei uns ist (und das ist es ja wirklich!)

Schon im vornherein wurden wir jedoch darauf hingewiesen, genau wie in unserem Auslandspraktikum, auf „schwieriges" Publikum treffen zu können. Doch wie kann man einem Kollegen mit einem so breiten Dauergrinsen und einer (wenn ich meiner Selbsteinschätzung trauen kann) charmanten jungen Dame etwas abschlagen?

Doch was antwortet man auf die Frage von einigen noch sehr jungen Schülern: „Wie werde ich Botschafter?", „Was seid Ihr überhaupt?" oder der Klassiker „Was bietet Ihr mir denn an?"...

Auch mit der Frage unsererseits: „Wisst Ihr überhaupt, was das Auswärtige Amt ist und macht?", konnten einige nichts anfangen. Umgangssprachlich das Ganze zu erklären, stellte sich dann doch als Problem dar.

Jeder von uns entwickelte so seine Strategie, um die Leute neugierig zu machen und zum anderen, um vielleicht auch schon herauszufinden, ob man diesen Menschen eines Tages im Auswärtigen Amt sehen würde. Selbst mein Kollege und ich mit unseren „Laienaugen", konnten nicht umhin Prognosen zu stellen, wen man vielleicht wiedertreffen könnte.

Meine Strategie lautete wie das Lieblingsmotto unseres Ausbildungsleiters Herr Ebel: „Welcome to Reality!". Es nützt einem selbst und auch dem Auswärtigen Amt nichts, wenn man blauäugig an die Ausbildung rangeht und man merkt nach einigen Monaten, dass das Ganze ein Fehlgriff war. Die Entscheidung, eine Ausbildung beim Auswärtigen Amt zu machen, sollte auch eine Entscheidung zur Investition in die Zukunft sein. Außerdem musste man vielen Interessierten und auch deren Eltern die Tragweite näher erläutern, was es heißt, im Auswärtigen Amt zu arbeiten. Idealerweise wird man 2/3 seiner dienstlichen Laufbahn im Ausland verbringen. Eine stattliche Summe, über die man nachdenken sollte. Das muss im Hinblick auf Familie oder Partner gut überlegt sein. Gut war, dass Ben als Single und ich als verheiratete Komponente jeder seine Sicht deutlich machen konnte.

Somit sah ich es nicht als Misserfolg an, wenn einige sich aufgrund unseres Gespräches klar geworden sind, dass das AA doch nichts für Sie wäre. Umso mehr freute es mich, Menschen meines Alters (ich selbst bin ja auch erst 20 Jahre alt) zu treffen, von denen ich mir sicher bin, dass sie es auf eine Bewerbung ankommen lassen. Auch Komplimente nahm ich gern, manchmal auch schmunzelnd entgegen, aber das ist es, was ich an diesem Beruf so liebe: die Zusammenarbeit mit Menschen. In welchen anderen Beruf sonst würden mich Menschen als Außenministerin haben wollen (O-Ton eines Interessenten, wirklich!)?

Am Ende der Dienstreise waren wir um einige Erfahrungen reicher, die Füße schmerzten und die Stimmen weg. Der arme Ben konnte nur noch krächzen (was Ruhe auf der Rückfahrt von Hamburg nach Berlin hieß). Und ich musste meine Meinung revidieren, dass die Messearbeit ein Klaks werden würde. Acht Stunden lang freitags und samstags stehen und zum Teil eine lange Zeit ohne Essen verbringen. Non-Stop über meist dieselben Sachen reden, hieß auch immer wieder sich aufraffen und jedem das Gefühl geben, dass man für ihn da sei. Doch die Mission ist geglückt und es heißt: „Never change a winning team": Ben und Sabine sind als nächstes in Leipzig bei der Job-Messe vom 27. bis 28. Mai 2010 anzutreffen. Ich würde mich sehr freuen, vielleicht den einen oder anderen dort zu treffen!?

Sabine, RSA 08

Stand 06.05.2010



Thousands march for peace in Mexico
text Thousands march for peace in Mexico TENS of thousands of people have marched in Mexico's second most populous city, angry at the inability of authorities to end a crime wave. (heraldsun world)
Fake Android apps scam cost users £28,000
text Fake Android apps scam cost users £28,000 Malicious Android apps posed as Angry Birds and Cut the Rope in a scam that used premium rate text messages to defraud customers of £27,850. (telegraph technology)
First creature to walk on land 'dragged itself along' - like it was on crutches
text First creature to walk on land 'dragged itself along' - like it was on crutches The creature lived in floodplains on what is now Greenland during a period known geologically as the Devonian period - about 360 to 410 million years ago. (dailymail sciencetech)